Janina's Blog

Reportageübung: Samstag ist „Ikea – Tag“

Verfasst von: janinadh Am: August 27, 2009

Es ist ein verregneter Samstagnachmittag. Der Himmel bringt nur ein trübes Grau hervor, das mit dem des Asphalts übereinzustimmen scheint. Lediglich die hinteren Parkplätze des großräumigen Geländes sind noch nicht vergeben. Schließlich will niemand einen Schritt zu viel wagen und bei dem Versuch nass werden. Außer der Motorengeräusche der Autos, die sich vereinzelt hierher verirren und dem Regen, der auf die Autodächer prasselt, ist kaum etwas zu hören. Doch je näher man sich wagt, desto lebendiger wird die Geräuschkulisse. Aus allen Himmelsrichtungen des Parkplatzes strömen Familien, Paare und einige, wenige Einzelgänger zum Eingang. Andere verlassen das Möbelhaus mit vollgeladenen Einkaufswagen und einem fröhlichen Gemüt. Zwei Mädchen tragen einen großen Bilderrahmen über ihren Köpfen, um Schutz vor dem Regen zu suchen. Ein Pärchen versucht verzweifelt ihre Einkäufe im Auto zu verstauen. Als sie merken, dass das Paket viel zu groß ist für den Kleinwagen, fangen sie lauthals an zu lachen. Zwei Kinder spielen hörbar in einer Pfütze auf dem Parkplatz, bis sie von ihren Eltern zu Recht gewiesen und an die Hand der Mutter genommen werden. Einer links, der andere rechts. Mein Weg führt mich  zum Eingang des Ikea – Geschäfts.

Im Trockenen angekommen, führt der Weg 30 Stufen hinauf in den ersten Stock, durch die quietschende, silberfarbene Drehtür, in das Restaurant. Hier herrscht reger Andrang. Von den circa 70 vorhandenen Tischen, mit Sitzgelegenheiten für mindestens vier Personen, sind mehr als die Hälfte besetzt. Hauptsächlich von Familien. Großfamilien mit mehreren Kleinkindern, junge Eltern mit einem Säugling, Familien mit Jugendlichen. Dazwischen Singles oder Paare. Alle nehmen nach Auswahl der Speisen und Getränke Platz.

Obwohl das Wetter recht trübe ist, wird das Restaurant von Tageslicht erhellt, da die Seitenwand vollständig aus Fenstern besteht. Zudem wird das Geschehen durch Lampen mit schwarzbraunen Schirmen beleuchtet, die von der circa drei Meter hohen Decke hängen. Das helle Grün der Tischdecken bildet einen Kontrast zu dem Rot der Wand, welche mit Schwarzweiß – Bildern einer Allee geschmückt ist. Der Raum ist erfüllt von einer Mischung verschiedenster Düfte: Pommes Frites oder Muffins auf den Tellern der Kinder, Kaffee in den Tassen der Erwachsenen. Vor allem Letzteres scheint zu einer dringenden Notwendigkeit geworden zu sein. Während Kinder in einem hölzernen Pavillon spielen und den bestellten Speisen und Getränken nur wenig Aufmerksamkeit schenken, lassen sich Eltern auf die Stühle fallen und greifen zur eigenen Stärkung zu dem Becher Kaffee. Sie wirken erschöpft.

Das Klirren der Messer und Gabeln gegen Teller und Schalen tönt aus jedem Winkel des Restaurants. Tische und Stühle werden verrückt, damit die ganze Familie zusammen sitzen kann. Die einzelnen Gespräche an den vielen Tischen werden zu einem großen Ganzen. Aufgelockert wird das Gemurmel durch ein helles „Hendrik S. möchte aus dem Smaland abgeholt werden“.

An einem quadratischen Tisch an der Fensterfront sitzt ein Paar. Vor ihnen stehen zwei weiße Tassen, sowie eine leere Salatschale. Die dunkelblonde Frau mit dem hellgrauen Pullover und der knallroten Brille  schaut ihren Partner bittend an. Sie lächelt und sagt etwas, das vollends im Chaos der Geräuschkulisse untergeht. Doch kurze Zeit später steht der ihr gegenübersitzende Mann mit den ergrauten Haaren auf. Er greift die leeren Becher und verschwindet im Treiben. Unterdessen stützt die Frau sich mit dem Ellenbogen auf dem Tisch ab und starrt auf das Grün der Tischdecke bis ihr Blick zum Fenster wandert. Sie wirkt nachdenklich. Jetzt rückt sie den leeren Stuhl ihres Begleiters zurecht. Endlich hat dieser den Weg zurückgefunden und reicht ihr eine aufgefüllte Tasse Kaffee. Sie bedankt sich, legt ihre Hand auf seine Schulter und lächelt. Auf einmal stellt sie die Tasse knallend und mit einem entsetzten Gesichtsausdruck wieder ab. Geflüster.

Unerwartet erheben sich beide und eilen Richtung Ausgang.

1 Antwort zu "Reportageübung: Samstag ist „Ikea – Tag“"

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