Verfasst von: janinadh Am: August 24, 2009
Eine Frau über das Leben und Sterben mit einer Herzkrankheit
Sie hat keine Angst vor dem Sterben. Das kennt sie schon. Was bleibt ist die Angst vor der Ungewissheit, vor dem „großen Nichts“, vor dem Tod.
Gritt ist 41 Jahre alt und leidet an dem Brugada – Brugada – Syndrom. Angefangen hat alles vor circa neun Jahren, als sie plötzlich das Bewusstsein verlor. Seitdem ist Gritt über 100 Mal den Herztod gestorben. Immer und immer wieder. „Ich übe das Sterben“.
Das Herz schlägt nicht mehr. Sekunden später gibt der implantierte Defibrillator einen Schock ab, um Gritt ins Leben zurückzuholen. Es ist zur Routine geworden. „Eine Routine, an die ich mich selbst nicht gewöhnen kann“, beschreibt Gritt den Herz – Stillstand. Sie lacht. Das macht sie oft. „Anders“, so sagt sie, „kann man mit der Todesnähe nicht umgehen“. Denn es bleibt ungewiss, wie viel Zeit Gritt noch bleibt. Der Tod kann morgen kommen. Oder erst in einigen Jahren.
Einem Beruf kann Gritt nicht nachgehen. Trotzdem ist sie ehrenamtlich in einem Darmstädter Tierheim tätig. Liebevoll ist ihr Umgang mit den Tieren. Auch sie und ihr Freund Harald teilen die Wohnung mit drei Hunden. Für Gritt sind sie ein Kinder – Ersatz. Die Wahrscheinlichkeit, dass die junge Frau das Syndrom vererbt, liegt bei 85 %. Angesichts dieser Tatsache, fiel die Entscheidung gegen eine Schwangerschaft. Auch solle das Kind nicht miterleben, wie Gritt scheinbar tot am Boden liegt. Wenn das Herz aufhört zu schlagen.
Die Last, die sie trägt ist schwer. Deshalb ist es umso beeindruckender, mit welcher Sachlichkeit Gritt von ihrem Schicksal erzählt. In keiner Silbe ein Ton Selbstmitleid. Auch von Außenstehenden erwartet sie dergleichen nicht. „Mitleid bringt niemandem etwas“. Dass dies ihre ehrliche Überzeugung ist, glaubt man Gritt sofort.
Andere kapitulieren. Aber Gritt kämpft, will sich nicht der Krankheit hingeben und schließlich beugen. Ihr Vater ist, wie sie sagt, sehr leistungsorientiert. Vielleicht liegt ihr Kampfgeist darin begründet. Die Krankheit scheint ihr vor allem in einem Aspekt besonders zu zusetzten – wenn die Leistung fokussiert wird. „Ich habe das Gefühl, ein Stück weit wertlos zu sein, wenn man nach dem Leistungsprinzip geht“. Gritt weint.
Ablenkung und einen Ausgleich findet die junge Frau beim Sport. Täglich joggt sie. Ihr Freund Harald teilt diese Leidenschaft mit ihr. „Der Sport hat uns zusammen geschweißt“, so Harald. Natürlich ist es für ihn selbstverständlich, seiner Freundin immer und überall zur Seite zu stehen und sie zu unterstützen.
Unterstützung braucht Gritt. Vor allem dann, wenn es um ihren großen Lebenstraum geht. Der Ironman. Circa vier Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen – schon für einen gesunden Menschen eine Herausforderung. Gritt nimmt diese an.
Schon vor einem Jahr haben die Trainingseinheiten begonnen. Obwohl das Radfahren ihr zunächst „Grenzen setzte“, hat Gritt nicht aufgegeben, immer weiter trainiert. Schließlich ist das, wofür sie kämpft, der letzte Traum, den sie noch verwirklichen möchte. „Wenn ich den Ironman hab, kann ich eigentlich gehen“.
Kurz vor dem geplanten Wettkampf, führt die Krankheit Gritt wieder in die Herzklinik Bad Nauheim. Es muss überprüft werden, ob der derzeitige Defibrillator schon ausgetauscht werden muss. Das passiert alle vier Jahre. Gritt kennt das schon. Den ersten Defibrillator hat sie aufgehoben. Er heißt „Bob“ und wurde ihr vor circa acht Jahren implantiert. Er ist Gritts Glücksbringer und als solcher selbstredend auch beim Ironman dabei.
Auch wenn sich einige Stunden vor dem Start Angst und Zweifel bemerkbar machen, winkt Gritt lachend ab: „Ich werde schon nicht sterben!“ Ihr Ehrgeiz und Kampfgeist zerschlagen die Angst. Fast gänzlich.
Der Startschuss fällt. Der Tag auf den sie gewartet hat. Harald und ihre Eltern begleiten Gritt. Vom Rand aus beobachten sie das Geschehen, jubelnd und sorgevoll. Alle Ängste und Zweifel sind eben doch nicht beseitigt.
15 Stunden und 20 Minuten dauert es, bis Gritt die Ziellinie überquert. Sichtlich am Ende ihrer Kräfte. Und doch gestärkt durch den Triumph. Den Triumph über ihre Krankheit. Ihr Lebenstraum.
Nur wenig später muss sie wieder nach Bad Nauheim. In die Herzklinik. „Die schwarze Wolke“, wie Gritt sie nennt. Ein neuer Defibrillator muss implantiert werden. Davor hat Gritt keine Angst. Das kennt sie schon.
August 24, 2009 um 4:17 pm
Hallo!
Also den Text, natürlich nicht das, was Gritt passiert. Du weißt schon, wie ich das meine…
Auch wenn ich das Porträt ja schon kenne, ich muss trotzdem noch mal sagen, ich finds supi