Janina's Blog

Reportageübung: Samstag ist „Ikea – Tag“

Verfasst von: janinadh Am: August 27, 2009

Es ist ein verregneter Samstagnachmittag. Der Himmel bringt nur ein trübes Grau hervor, das mit dem des Asphalts übereinzustimmen scheint. Lediglich die hinteren Parkplätze des großräumigen Geländes sind noch nicht vergeben. Schließlich will niemand einen Schritt zu viel wagen und bei dem Versuch nass werden. Außer der Motorengeräusche der Autos, die sich vereinzelt hierher verirren und dem Regen, der auf die Autodächer prasselt, ist kaum etwas zu hören. Doch je näher man sich wagt, desto lebendiger wird die Geräuschkulisse. Aus allen Himmelsrichtungen des Parkplatzes strömen Familien, Paare und einige, wenige Einzelgänger zum Eingang. Andere verlassen das Möbelhaus mit vollgeladenen Einkaufswagen und einem fröhlichen Gemüt. Zwei Mädchen tragen einen großen Bilderrahmen über ihren Köpfen, um Schutz vor dem Regen zu suchen. Ein Pärchen versucht verzweifelt ihre Einkäufe im Auto zu verstauen. Als sie merken, dass das Paket viel zu groß ist für den Kleinwagen, fangen sie lauthals an zu lachen. Zwei Kinder spielen hörbar in einer Pfütze auf dem Parkplatz, bis sie von ihren Eltern zu Recht gewiesen und an die Hand der Mutter genommen werden. Einer links, der andere rechts. Mein Weg führt mich  zum Eingang des Ikea – Geschäfts.

Im Trockenen angekommen, führt der Weg 30 Stufen hinauf in den ersten Stock, durch die quietschende, silberfarbene Drehtür, in das Restaurant. Hier herrscht reger Andrang. Von den circa 70 vorhandenen Tischen, mit Sitzgelegenheiten für mindestens vier Personen, sind mehr als die Hälfte besetzt. Hauptsächlich von Familien. Großfamilien mit mehreren Kleinkindern, junge Eltern mit einem Säugling, Familien mit Jugendlichen. Dazwischen Singles oder Paare. Alle nehmen nach Auswahl der Speisen und Getränke Platz.

Obwohl das Wetter recht trübe ist, wird das Restaurant von Tageslicht erhellt, da die Seitenwand vollständig aus Fenstern besteht. Zudem wird das Geschehen durch Lampen mit schwarzbraunen Schirmen beleuchtet, die von der circa drei Meter hohen Decke hängen. Das helle Grün der Tischdecken bildet einen Kontrast zu dem Rot der Wand, welche mit Schwarzweiß – Bildern einer Allee geschmückt ist. Der Raum ist erfüllt von einer Mischung verschiedenster Düfte: Pommes Frites oder Muffins auf den Tellern der Kinder, Kaffee in den Tassen der Erwachsenen. Vor allem Letzteres scheint zu einer dringenden Notwendigkeit geworden zu sein. Während Kinder in einem hölzernen Pavillon spielen und den bestellten Speisen und Getränken nur wenig Aufmerksamkeit schenken, lassen sich Eltern auf die Stühle fallen und greifen zur eigenen Stärkung zu dem Becher Kaffee. Sie wirken erschöpft.

Das Klirren der Messer und Gabeln gegen Teller und Schalen tönt aus jedem Winkel des Restaurants. Tische und Stühle werden verrückt, damit die ganze Familie zusammen sitzen kann. Die einzelnen Gespräche an den vielen Tischen werden zu einem großen Ganzen. Aufgelockert wird das Gemurmel durch ein helles „Hendrik S. möchte aus dem Smaland abgeholt werden“.

An einem quadratischen Tisch an der Fensterfront sitzt ein Paar. Vor ihnen stehen zwei weiße Tassen, sowie eine leere Salatschale. Die dunkelblonde Frau mit dem hellgrauen Pullover und der knallroten Brille  schaut ihren Partner bittend an. Sie lächelt und sagt etwas, das vollends im Chaos der Geräuschkulisse untergeht. Doch kurze Zeit später steht der ihr gegenübersitzende Mann mit den ergrauten Haaren auf. Er greift die leeren Becher und verschwindet im Treiben. Unterdessen stützt die Frau sich mit dem Ellenbogen auf dem Tisch ab und starrt auf das Grün der Tischdecke bis ihr Blick zum Fenster wandert. Sie wirkt nachdenklich. Jetzt rückt sie den leeren Stuhl ihres Begleiters zurecht. Endlich hat dieser den Weg zurückgefunden und reicht ihr eine aufgefüllte Tasse Kaffee. Sie bedankt sich, legt ihre Hand auf seine Schulter und lächelt. Auf einmal stellt sie die Tasse knallend und mit einem entsetzten Gesichtsausdruck wieder ab. Geflüster.

Unerwartet erheben sich beide und eilen Richtung Ausgang.

Reportageübung: Das Forum Jahnplatz

Verfasst von: janinadh Am: August 27, 2009

Der erste deutsche Fußgängertunnel lädt Bielefelder ein

Es ist ruhig. Die gleichmäßigen Bewegungen der Rolltreppen, die jeweils links und rechts von mir liegen, haben eine geradezu entspannende Wirkung. Den 24 Stufen hinunter folgend, scheint die Geräuschkulisse der Bahnhofstraße sich immer weiter zu distanzieren. Doch nur für einen Moment. „Ja, ich bin gleich da!“, höre ich einen Mann sagen, dessen Handelsblatt unordentlich gefaltet aus der dunklen halbgeöffneten Aktentasche lugt. Schnellen Schrittes eilt er die Stufen hinauf. Am unteren Ende der Treppe angekommen, führt mich mein Weg durch eine der vier großen Glastüren – hinein in den Jahnplatztunnel.

Freigabe war ein nationales Ereignis

Der unterirdische Fußgängertunnel wurde im Jahr 1957, nach einer einjährigen Bauphase, deren Kosten sich ungefähr auf 3,7 Millionen Mark beliefen, für Besucher freigegeben. Die Planungen für das Bauprojekt stammen von dem Gutachter und Verkehrsexperten Max–Erich Feuchtinger. Die Freigabe des ersten deutschen unterirdischen Fußgängertunnels in Bielefeld war ein großes Ereignis – nicht nur für Ortsansässige. So berichtete die Tagesschau abends über die Eröffnung des Jahnplatztunnels und über die Menschenmengen, welche sich an den überirdischen Eingängen drängelten.

Heute wird im Inneren der Unterführung das mangelnde Tageslicht durch weiß leuchtende Neonröhren ersetzt, die an der etwa zweieinhalb Meter hohen Decke und an den zahlreich vorhandenen Säulen angebracht sind. Die beigefarbenen Wände zaubern eine nahezu gemütliche Atmosphäre. Aus dem Geschäft eines Friseurs, direkt neben der linken Eingangstür dröhnt schrille Techno – Musik, deren Lautstärke sich mit jedem Takt zu steigern scheint. Mit einem flüchtigen Blick durch die gläserne Wandfront sehe ich eine Frau wartend auf einem schwarzen Drehstuhl sitzen. In der Nase vermischt sich der süßliche Duft von Haar – Pflegemitteln mit dem der frisch gebackenen Brötchen des angrenzenden Bäckers.

72 Bielefelder stifteten Jahnbüste

Auf der gegenüberliegenden Seite des Tunnels steht an der Säule, nahe dem Ausgang zur Alfred – Bozi – Straße, die Jahnbüste. Diese soll an Turnvater Jahn, dessen Namen der Platz über dem Tunnel seit 1861 trägt, erinnern. Nachdem ein ehemaliges Denkmal aus dem Jahr 1883 während des zweiten Weltkrieges entfernt und später zerstört wurde, ziert die von 72 Bielefeldern gestiftete Jahnbüste seit 1994 die Passage des Forums Jahnplatz.

In unmittelbarer Nähe ist ein Mann damit beschäftigt, ein großes dunkles Plakat an einer Säule anzubringen. Obwohl es zu vermuten wäre, handelt es sich hierbei aber nicht um Werbung der naheliegenden Konzert – und Theaterkasse KonTicket. Vielmehr kündigt das Plakat das bald bevorstehende Mitternachtshopping in Bielefeld an. Ab und zu bleibt jemand davor stehen. Doch die Mehrzahl der Passanten wirft aus zeitlichen Gründen nur flüchtig einen Blick auf den Aushang.

Täglich 30.000 Passanten im Forum Jahnplatz

Den rechteckigen rot und schwarz gesprenkelten Fliesen entlang schlendernd, führt der Weg an einigen Geschäften vorbei. Ein Kiosk, ein Modegeschäft, die Frucht – Oase, zahlreiche Imbissstände. Etwa 30 Läden finden Platz im Forum Jahnplatz, wie der frühere Jahnplatztunnel, seit der Umbenennung im Zuge einer Renovierung im Jahr 1991, heißt. Etwa 98 Prozent der Bielefelder kennen den Jahnplatztunnel, circa 30.000 von ihnen passieren täglich die Unterführung. Einige der Besucher hasten zur Straßenbahn oder zum nächsten Ausgang, während andere in aller Ruhe an den Geschäften entlang flanieren.

Der runde stand der Frucht – Oase am Ausgang zur Niedernstraße ist nicht zu übersehen. Das Aroma des frischen Obstes wird eins mit dem Duft von chinesischen Nudeln und Hühnersuppe, welcher auf die naheliegenden Imbissbuden hinweist. Eine Kindergartengruppe marschiert mit zwei Erzieherinnen am Stand vorbei in Richtung der Straßenbahn. Das Lachen und Gemurmel der Kleinen übertönt für einen kurzen Moment die Geräusche des restlichen Geschehens im Tunnel. Als die Kinder hinter der Tür zur S – Bahn – Station verschwinden, ist hauptsächlich die mäßig laute Musik eines Modegeschäfts zu vernehmen. Auch klappern in der Nähe viele Teller und Kochtöpfe in den diversen Imbissständen.

An einem Donut – Stand drängeln sich vier 12 – Jährige und diskutieren ihren Einkauf. Einer der Jungen hat sich seinen Pullover lässig um die Hüften gebunden. „Du kannst mir die 30 Cent morgen wiedergeben“. Und wenig später verlassen sie das Forum Jahnplatz. Auch ich gehe durch den Ausgang an der Niedernstraße. Auf der Treppe ist es wieder sehr leise. Bis eine Gruppe Jugendlicher lauthals hinunter eilt. Als die Gruppe den Tunnel betritt und sich meinem Blickfeld entzieht bin ich schon fast am oberen Ende der Rolltreppe angelangt.

Glosse: Tyrannodackel

Verfasst von: janinadh Am: August 26, 2009

Wer sorgt sich schon um PISA – Pleiten, Datenüberprüfung – und Verkauf oder die bedrohliche Wirtschaftskrise, wenn die wahre apokalyptische Botschaft auf uns zu galoppiert? Der deutsche Dackel stirbt aus! Ein erschreckendes Szenario: Rentner irren verlassen in Park und Straßen umher. (Fernseh)Hausmeister wissen weder ein, noch aus – müssen gezwungenermaßen ihre Arbeit niederlegen. An überfüllten Bahnhöfen kein Gekläffe, keine Gefahr unachtsam über ein Haarknäuel zu stolpern – RUHE! Harte Zeiten brechen an. Was für eine Welt soll das noch sein, ohne die kleinen Waldis, Wuffis und Bodos? Das zottelige Fell, das ohrenbetäubende Kläffen, der wurstige lange Körper mit den überdurchschnittlich kurzen Beinen. Ist es nicht das schönste Geschöpf auf Erden? Die vollendete Grazie? Das Aussterben dieser alten deutschen Hunderasse stellt uns und die Welt vor ungeahnte Probleme. Probleme die ausweglos erscheinen. Werden künftige Generationen nie von dem wunderbaren Teckel erfahren? Besuchen kann man Waldi dann im Museum. Seine sterblichen Überreste residierten neben denen des Tyrannosaurus oder des Apatosaurus. Diese wirkten selbstredend völlig glanzlos in Nachbarschaft des geliebten und verehrten Hundes. Können wir diese Katastrophe nicht irgendwie abwenden?
Kommen wir zur Realität. Das angebliche Sterben des Dackels – egal ob durch die Globalisierung, den Klimawandel oder die Finanzkrise hervorgerufen – macht sich doch nur geringfügig bemerkbar. Ja, natürlich setzt die emanzipierte Hündin von heute andere Prioritäten, doch will jede zu einem unbestimmten Zeitpunkt eine kleine Familie gründen. Das zeigt zumindest die Statistik. Spiegel – online berichtete über einen Geburtenrückgang von 12.000 Welpen im Jahr 1996 auf circa 7.300 neugeborene Hunde im Jahr 2005. In Relation zu anderen Rassen liegen die Wurfzahlen des kompakten Jagdhundes seltsamerweise trotzdem weit vorn. Also: Aufatmen! Den Waldi oder Bodo an die Leine nehmen, die frische Fabrikluft einatmen und vielleicht auch mal über die kleinen Probleme im Leben nachdenken.

Wirtschaftskrise. Klimawandel. PISA- Pleite . . .

Glosse: Der Lenz ist da – Ein ungebetener Gast

Verfasst von: janinadh Am: August 25, 2009

Es ist schon wieder soweit. Jedes Jahr, um diese Zeit, kündigt sich der Besuch des Herrn Frühling an. Das kann ganz unterschiedliche Gefühle wecken. Meine Mama ist in diesen Tagen sehr aufgeregt. Wischer und Staubwedel fest in der Hand, eilt sie gehetzt und ruhelos im Haus hin und her, auf der Suche nach dem letzten, noch verbliebenen, Staubkorn. Alle Fenster sind blitzblank. Die kopflosen Nikoläuse, Überbleibsel des letzten Weihnachtsfestes, werden lieblos des Hauses verwiesen. Und warum? Für den Herrn Frühling müsse alles immer außerordentlich sauber und ansehnlich sein, sagt die Mama. Und schließlich wisse man ja auch nie, wann er kommt.
Gelegentlich überrascht er uns bereits in den Ostervorbereitungen, aber vorwiegend ist der Lenz unpünktlich und lässt wochenlang auf sich warten. Steht er dann doch vor der Tür, bringt er uns vermeintlich schönes Wetter, bunte Blumen und blühende Bäumchen mit. Während ich mich an den Pflanzen erfreue, scheint mein Bruder jene gar nicht zu mögen. Ihr Anblick treibt ihm jedes Mal die Tränen in die Augen. Bis heute frage ich mich, ob sein ständiges Niesen und Schniefen auch Ausdruck seiner Ablehnung sind.
Unterdessen klagt die Oma über enorme Kopfschmerzen. Und während sie davon jammert, schläft sie Ab und An unerwartet in ihrem Schaukelstuhl ein. Oma ist zurzeit sehr von der Müdigkeit geplagt. Das soll an der Gegenwart des Frühlings liegen.
Seltsam finde ich ebenso, dass unserem Auto jetzt eine ganz besondere Aufmerksamkeit zu Teil wird. Kaum lässt sich Herr Frühling blicken, putzt und schrubbt Papa bald Felgen und Scheiben, wie besessen. Dieser sonderbare, gelbe Staub, der sich überall festsetzen möchte, löst in ihm ungeheure Aggressionen aus. Daran soll auch der Lenz Schuld haben.
Dann frage ich mich doch: Warum beehrt uns der ungebetene Gast jedes Jahr aufs Neue?
Zudem muss ich auch gestehen, dass ich das launische, unberechenbare Verhalten des Frühlings nicht sympathisch finde. Hat er doch die Aufgabe, uns warmes, sonniges Wetter zu bestellen, enttäuscht er uns dennoch mehrfach mit Regen und Sturm.
Der Herr Frühling ist schon eigenartig. Bei seiner Anwesenheit scheinen alle Verwandten wie ausgewechselt zu sein. Das missfällt mir sehr. Und wenn ich es mir so recht überlege, soll der Herr Frühling uns nächstes Jahr lieber nicht mehr besuchen.

Erstellt in Zusammenarbeit mit Franziska Stäcker

Porträt: „Das Sterben üben“

Verfasst von: janinadh Am: August 24, 2009

Eine Frau über das Leben und Sterben mit einer Herzkrankheit

Sie hat keine Angst vor dem Sterben. Das kennt sie schon. Was bleibt ist die Angst vor der Ungewissheit, vor dem „großen Nichts“, vor dem Tod.

Gritt ist 41 Jahre alt und leidet an dem Brugada – Brugada – Syndrom. Angefangen hat alles vor circa neun Jahren, als sie plötzlich das Bewusstsein verlor. Seitdem ist Gritt über 100 Mal den Herztod gestorben. Immer und immer wieder. „Ich übe das Sterben“.

Das Herz schlägt nicht mehr. Sekunden später gibt der implantierte Defibrillator einen Schock ab, um Gritt ins Leben zurückzuholen. Es ist zur Routine geworden. „Eine Routine, an die ich mich selbst nicht gewöhnen kann“, beschreibt Gritt den Herz – Stillstand. Sie lacht. Das macht sie oft. „Anders“, so sagt sie, „kann man mit der Todesnähe nicht umgehen“. Denn es bleibt ungewiss, wie viel Zeit Gritt noch bleibt. Der Tod kann morgen kommen. Oder erst in einigen Jahren.

Einem Beruf kann Gritt nicht nachgehen. Trotzdem ist sie ehrenamtlich in einem  Darmstädter Tierheim tätig. Liebevoll ist ihr Umgang mit den Tieren. Auch sie und ihr Freund Harald teilen die Wohnung mit drei Hunden. Für Gritt sind sie ein Kinder – Ersatz. Die Wahrscheinlichkeit, dass die junge Frau das Syndrom vererbt, liegt bei 85 %. Angesichts dieser Tatsache, fiel die Entscheidung gegen eine Schwangerschaft. Auch solle das Kind nicht miterleben, wie Gritt scheinbar tot am Boden liegt. Wenn das Herz aufhört zu schlagen.

Die Last, die sie trägt ist schwer. Deshalb ist es umso beeindruckender, mit welcher Sachlichkeit Gritt von ihrem Schicksal erzählt. In keiner Silbe ein Ton Selbstmitleid. Auch von Außenstehenden erwartet sie dergleichen nicht. „Mitleid bringt niemandem etwas“. Dass dies ihre ehrliche Überzeugung ist, glaubt man Gritt sofort.

Andere kapitulieren. Aber Gritt kämpft, will sich nicht der Krankheit hingeben und schließlich beugen. Ihr Vater ist, wie sie sagt, sehr leistungsorientiert. Vielleicht liegt ihr Kampfgeist darin begründet. Die Krankheit scheint ihr vor allem in einem Aspekt besonders zu zusetzten – wenn die Leistung fokussiert wird. „Ich habe das Gefühl, ein Stück weit wertlos zu sein, wenn man nach dem Leistungsprinzip geht“. Gritt weint.

Ablenkung und einen Ausgleich findet die junge Frau beim Sport. Täglich joggt sie. Ihr Freund Harald teilt diese Leidenschaft mit ihr. „Der Sport hat uns zusammen geschweißt“, so Harald. Natürlich ist es für ihn selbstverständlich, seiner Freundin immer und überall zur Seite zu stehen und sie zu unterstützen.

Unterstützung braucht Gritt. Vor allem dann, wenn es um ihren großen Lebenstraum geht. Der Ironman. Circa vier Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen – schon für einen gesunden Menschen eine Herausforderung. Gritt nimmt diese an.

Schon vor einem Jahr haben die Trainingseinheiten begonnen. Obwohl das Radfahren ihr zunächst „Grenzen setzte“, hat Gritt nicht aufgegeben, immer weiter trainiert. Schließlich ist das, wofür sie kämpft, der letzte Traum, den sie noch verwirklichen möchte. „Wenn ich den Ironman hab, kann ich eigentlich gehen“.

Kurz vor dem geplanten Wettkampf, führt die Krankheit Gritt wieder in die Herzklinik Bad Nauheim. Es muss überprüft werden, ob der derzeitige Defibrillator schon ausgetauscht werden muss. Das passiert alle vier Jahre. Gritt kennt das schon. Den ersten Defibrillator hat sie aufgehoben. Er heißt „Bob“ und wurde ihr vor circa acht Jahren implantiert. Er ist Gritts Glücksbringer und als solcher selbstredend auch beim Ironman dabei.

Auch wenn sich einige Stunden vor dem Start Angst und Zweifel bemerkbar machen, winkt Gritt lachend ab: „Ich werde schon nicht sterben!“ Ihr Ehrgeiz und Kampfgeist zerschlagen die Angst. Fast gänzlich.

Der Startschuss fällt. Der Tag auf den sie gewartet hat. Harald und ihre Eltern begleiten Gritt. Vom Rand aus beobachten sie das Geschehen, jubelnd und sorgevoll. Alle Ängste und Zweifel sind eben doch nicht beseitigt.

15 Stunden und 20 Minuten dauert es, bis Gritt die Ziellinie überquert. Sichtlich am Ende ihrer Kräfte. Und doch gestärkt durch den Triumph. Den Triumph über ihre Krankheit. Ihr Lebenstraum.

Nur wenig später muss sie wieder nach Bad Nauheim. In die Herzklinik. „Die schwarze Wolke“, wie Gritt sie nennt. Ein neuer Defibrillator muss implantiert werden. Davor hat Gritt keine Angst. Das kennt sie schon.

Kommentar: Wahlpflicht?

Verfasst von: janinadh Am: August 23, 2009

Von der Einführung einer Wahlpflicht, wie es der SPD – Abgeordnete Jörn Thießen fordert, ist abzuraten. Obwohl die Europawahlbeteiligung der Deutschen von nur 43,3 Prozent einen bleibend schlechten Eindruck hinterlässt, stellt der Vorschlag keine geeignete Alternative dar.
EU – Nachbarn, wie beispielsweise Belgien machen es vor: Angesichts der zu erwarteten Strafen von rund 50 Euro bei Enthaltung, schießt die Wahlbeteiligung in die Höhe und pendelt sich bei über 90 Prozent ein. Eine enorme Beteiligung der Bevölkerung ist zwar vorhanden, doch führt diese Tatsache nicht zu einem „besseren“ Ergebnis. Immerhin bleiben noch rund zehn Prozent der Bürger der Abstimmung fern.
Darüber hinaus sind die ungültigen Stimmabgaben zu berücksichtigen, die zwar in die Wahlbeteiligungsstatistik eingehen, aber nicht zu dem politischen Ergebnis beitragen. Auch die Wahlpflicht kann dieser Problematik nicht entgegen steuern, schließlich entscheidet einzig der Wähler über die Gültigkeit der Stimmabgabe. Zudem setzt der staatliche Zwang nicht ein erhöhtes politisches Interesse, geschweige denn Zufriedenheit voraus. Das Ergebnis der Wahl beruht dann nicht auf der Stimmungslage der Bevölkerung, sondern auf deren Willkür.
Abgesehen davon muss die wohl wichtigste Frage gestellt werden: Ist die Wahlpflicht mit der deutschen Demokratie vereinbar? Ist sie wirklich frei, wenn der Staat seine Bürger zu jener Freiheit zwingt? Das Wahlrecht steht jedem deutschen Bürger zu, jeder darf dementsprechend frei über seine Stimmabgabe verfügen. Allerdings ist auch das „nicht – wählen“ eine autonom getroffene Entscheidung des Wahlberechtigten.
Demnach ist die Einführung der Wahlpflicht nicht nur überflüssig, sondern zerstört zusätzlich das demokratische Fundament.

Glosse: Mission Männerabend

Verfasst von: janinadh Am: August 23, 2009

Muss das denn sein? Samstagabend. Kurz vor acht Uhr. Das sonst so gemütliche Wohnzimmer mit seinen akkurat angeordneten Sofakissen, wird gegen seinen Willen in ein Schlachtfeld verwandelt. Fußballschals hängen über der Stehlampe und zaubern ein schummriges Licht. Chips dekorieren den Fußboden und die mit Badelatschen bekleideten  Männerfüße ruhen auf dem Marmortisch. Die fünfköpfige Männergruppe findet Platz auf der Couchgarnitur und ist erwartungsvoll. Über das Feinrippunterhemd wurde ein Trikot der deutschen Nationalmannschaft gestreift, das den kugelrunden Waschbärbauch einzuschnüren droht. Mit einer Flasche Bier in der einen und einer Zigarette in der anderen Hand, rüsten sich die Fußballfans. Nichtraucher greifen alternativ zu den Kartoffelchips.

Die Spezies Mann wartet auf den bevorstehenden Anpfiff des Länderspiels. Als die Nationalhymne ertönt, springen die Enthusiasten in der Männergruppe auf. Mit Hilfe der spärlich vorhandenen Sangeskünste soll Respekt gegenüber der Spieler signalisiert werden. Unglücklicherweise ist manch einer der Meinung, Ballack & Co könnten den lieblichen Gesang auch über tausende Kilometer Entfernung wahrnehmen. Die Nationalelf kann es nicht – dafür aber Tante Anneliese in der Nachbarwohnung. Die weiß die melodischen Klänge nicht zu würdigen und versucht ihnen mit energischem Klopfen gegen die Wand entgegenzutreten. Doch das kaum verständliche, fremdartige Geplänkel findet ein schnelles Ende – gottlob besteht die Nationalhymne nur aus einer Strophe.

Als der Anpfiff ertönt kann sich die Männerschar kaum halten. Das nächste Bier wird geöffnet und die Taktik der Abwehr diskutiert. Plötzlich fällt ein Tor – für den Gegner. Enttäuschung bei den Deutschlandfans. Um wenigstens irgendetwas auszurichten wird kurzerhand der Fernseher mit Kissen bombardiert. Obwohl der ja eigentlich nichts dafür kann. Schuld ist selbstverständlich der Torwart, wie so oft. Wahlweise kann auch der Schiedsrichter zur Verantwortung gezogen werden. Der ist nämlich blind. Gleiches gilt übrigens auch für die Linienrichter.

Ein lautes Raunen erhellt den mit Zigaretten – und Schweißduft durchfluteten Raum. Da muss auch das Raumspray kapitulieren. (Halb)Zeit für ein neues Bier. In der 15-minütigen Pause werden konsequent und rücksichtslos die Fehler der Spieler und des Trainers erörtert. Bis die zweite Halbzeit anbricht. Fehlschüsse werden mit lautem Stöhnen getadelt. Der erste fängt an, Parolen für die eigene, jedoch primär gegen die andere Mannschaft zu krakeelen. Vielleicht kann das Spiel so eine gute Wendung nehmen – den Versuch ist es wert. In der Zwischenzeit musste auch die fast geleerte Chips-Tüte dem traurigen Beispiel der Kissen folgen. Der Ausgleich wird mit einem Tanz um den Wohnzimmertisch bejubelt, bei dem mindestens die Hälfte der Anwesenden ins Taumeln gerät. Die Stimmung ist so hoch wie der Alkoholpegel und gerät erst bei der Führung, kurz vor Ende des Spiels, außer Kontrolle. Jubelnd liegen sich die Männer in den Armen. Manch einem treibt die Rührung Tränen in die Augen.

Dass sich Tante Anneliese erneut zurückmeldet, ist für niemanden von Bedeutung. „Hat ja auch keine Ahnung von Kultur, die alte Dame“! Ein Mann hat eben die Aufgabe, solche Abende mit allem Drum und Dran zu zelebrieren. „Sieht doch keiner“, dass das Trikot von 1980 an den entscheidenden Stellen nicht mehr passt. Mit dem Abpfiff baut Deutschland seinen Punktevorstand weiter aus. Ein letztes Bier kühlt den strapazierten Fan – Rachen. Die Schweißperlen der Anstrengung werden von der Stirn gewischt.

Zumindest für heute gilt: Mission erfüllt!

Na,wen haben wir denn da…?!

Verfasst von: janinadh Am: August 23, 2009

Das bin ich So, da bin ich!

Ich bin Janina, 20 Jahre alt und Studentin.Da ich an der Fachhochschule des Mittelstands in Bielefeld Medienkommunikation und Journalismus studiere, möchte ich hier gerne einige meiner „Leseproben“ einstellen.

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und freue mich sehr über Kommentare!

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